20.00

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Wieso interessieren uns die kleinen Morde, während das massenhafte Morden uns so lethargisch macht? Nur weil wir da nicht für Gerechtigkeit sorgen können? Unsere Ohnmacht verdrängen? Die Nachrichten entscheiden, welcher Krieg gerade wichtiger ist. Der um die Ölrechte, der Glaubenskrieg oder der, den der Operettengeneral in Afrika anzettelt und Menschen massakriert. Realität hat einen Zeitwert. Die Fiktion hingegen lassen wir an uns heran. In Tom Clancys gesammelten Romanen dürfte die Menschheit einmal zur Gänze ums Leben gekommen sein. Vielleicht ist das große Morden deswegen so beiläufig, weil es keine Namen besitzt. Nur Zahlen. Bilder von Massengräben lösen wir auf, indem wir zum Buch auf dem Nachttisch greifen. Die Nachrichten sind genauso unterhaltend wie die Bestsellerliste. Gene Kerrigan sagt über sich, dass er zu jenen gehört, die weglaufen, wenn Gefahr droht. Und dass es Menschen gibt, die auf die Gefahr zugehen. Er schreibt dafür Bücher. Es ist sicher nicht der schlechteste Ansatz, gesellschaftliche Hintergründe mit einem spannenden Plot zu beschreiben. Damit nach den Nachrichten etwas Realität bleibt. Auch wenn die Hoffnung, etwas zu verändern, minimal ist. Schuld ist immer noch schuld. Auch wenn viele davonkommen.